Kreisfeuerwehrtag 2026: Delegiertentagung und Verpflichtung neuer Feuerwehrleute

Geschrieben von Datum: 31/08/2026Kategorien: Aktuelles

Die Feuerwehren im Landkreis Harburg stehen vor großen Veränderungen und zugleich vor wachsenden Herausforderungen. Das wurde beim Kreisfeuerwehrtag am vergangenen Wochenende in Hittfeld deutlich. In der Burg Seevetal fand am Sonnabend die 122. Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Landkreis Harburg statt. Am Sonntag folgte auf dem Parkplatz der Burg Seevetal der Kreistleitungsentscheid der Leistungsvergleichsgruppen. Ausrichter des Kreisfeuerwehrtages war die Freiwillige Feuerwehr Lindhorst.

Zu Beginn der Verbandsversammlung gedachten die Teilnehmer der im vergangenen Jahr verstorbenen Feuerwehrangehörigen und Mitglieder des Kreisfeuerwehrverbandes. Die Totenehrung wurde von Superintendent Dirk Jäger, Leiter der Psychosozialen Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E), vorgenommen. Anschließend erklang „Ich hatt’ einen Kameraden“. Musikalisch begleitet wurde die Versammlung vom Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Roydorf.

Zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und den anderen Blaulichtorganisationen waren der Einladung gefolgt. Unter ihnen waren die Landtagsabgeordneten Jan Bauer, Nadja Weippert und André Bock, Kreisrätin Annerose Tiedt als Vertreterin von Landrat Rainer Rempe, der Leiter der Polizeiinspektion Harburg, Leitender Kriminaldirektor Thomas Meyn, der ehemalige Landesbereichsführer der Feuerwehr Hamburg, Hermann Jonas, sowie die Hauptverwaltungsbeamten der Gemeinden und Samtgemeinden des Landkreises.

In seinem Jahresbericht stellte Kreisbrandmeister und Verbandsvorsitzender Jörn Petersen das Jahresmotto des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen „Feuerwehr – stark durch Zusammenhalt“ in den Mittelpunkt. Die Führungskräfte hätten dabei eine besondere Verantwortung: „Ihr als die Führungskräfte unserer Freiwilligen Feuerwehren sorgt für den Zusammenhalt in den Wehren“, betonte Petersen.

Der Verbandsvorsitzende gab einen Überblick über zahlreiche aktuelle Themen. Dazu gehören die Umsetzung der neuen Feuerwehrverordnung, die Neuaufstellung der Feuerwehrbereitschaften zum 1. Januar 2027 sowie die geplante neue Integrierte Regionalleitstelle Lüneburger Heide. Die Neuordnung der Feuerwehrbereitschaften bezeichnete Petersen als die größte Umstellung seit der Gründung der Kreisfeuerwehrbereitschaften. Die Fahrzeugzuordnung sei bereits abgeschlossen, auch das Führungspersonal für die zukünftigen Einheiten stehe fest.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Zukunft der Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ). Nachdem der Bedarf für eine Erweiterung beziehungsweise einen Neubau bereits vor Jahren erkannt worden war, ist das Projekt inzwischen in der konkreten Planungsphase. Der Kreistag hatte im Dezember 2025 einstimmig beschlossen, dass die Verwaltung einen Neubau verfolgen und eine Grundstücksakquise einleiten soll. Derzeit läuft die Grundlagenermittlung und Vorplanung unter Berücksichtigung verschiedener Varianten. Petersen zeigte sich zuversichtlich, dass am Ende die von der Feuerwehr favorisierte Neubauvariante umgesetzt werden könne.

Auch der Katastrophen- und Bevölkerungsschutz gewinnt angesichts zunehmender Extremwetterereignisse und weiterer Gefahrenlagen an Bedeutung. Der Landkreis verfügt inzwischen unter anderem über ein mobiles Hochwasserschutzsystem und zwei Sandsackfüllmaschinen aus dem Katastrophenschutz des Landes. Außerdem wurde ein Löschgruppenfahrzeug für den Katastrophenschutz bei der Feuerwehr Marxen stationiert. Weitere Beschaffungen und Planungen laufen.

Mit Blick auf die zunehmenden Wald- und Vegetationsbrände soll zudem die Vorbereitung auf solche Einsatzlagen verbessert werden. Gemeinsam mit der Kreisverwaltung und der Kreiswaldbrandbeauftragten Franziska Schneider ist eine kreisweite Erhebung zum Zustand und zur Erreichbarkeit der Waldgebiete vorgesehen.

Der Kreisfeuerwehrverband zählt aktuell 9.098 Mitglieder. Davon gehören 5.037 den Einsatzabteilungen an, 1.594 der Alters- und Ehrenabteilung, 1.564 der Jugendfeuerwehr und 1.014 den Kinderfeuerwehren. Besonders erfreulich: 271 Feuerwehrangehörige hatten ihre Grundlagenausbildung QS1 erfolgreich abgeschlossen und wurden im Rahmen des Kreisfeuerwehrtages neu verpflichtet.

Sorgen bereitet Petersen dagegen die zunehmende Belastung der Kreisausbildung. Im Jahr 2026 wurden an der FTZ 993 Lehrgangsplätze angeboten, hinzu kommen die auf kommunaler Ebene durchgeführten Ausbildungsabschnitte. Insgesamt 79 Ausbilderinnen und Ausbilder engagieren sich derzeit in der Kreisausbildung. Gleichzeitig würden immer mehr Ausbildungsaufgaben vom Land auf die Landkreise und Kommunen und damit letztlich ins Ehrenamt verlagert. „Wir haben die Grenze in diesem Bereich deutlich überschritten“, warnte Petersen.

Ein eigenständiges Anliegen des Verbandes ist die stärkere Gewinnung von Unterstützern aus der Wirtschaft. Der Kreisfeuerwehrverband möchte künftig Unternehmen und weitere Förderer gezielter ansprechen, um zusätzliche Möglichkeiten zur Unterstützung der ehrenamtlichen Feuerwehrarbeit auf Kreisebene zu schaffen.

Kreisrätin Annerose Tiedt überbrachte die Grüße des Landkreises und von Landrat Rainer Rempe. Sie unterstrich die Bedeutung einer zukunftsfähigen Feuerwehrinfrastruktur. Die neue FTZ habe für den Landkreis Priorität, die bestehende Einrichtung werde den Anforderungen künftig nicht mehr gerecht. Zugleich dankte sie den Feuerwehrangehörigen für ihr ehrenamtliches Engagement und ihren Einsatz für den Schutz der Bevölkerung. „Unsere Wehren müssen so gut wie möglich ausgestattet sein“, betonte Tiedt.

Auch Landtagsabgeordneter Jan Bauer dankte im Namen der anwesenden politischen Vertreter für den Einsatz der Feuerwehrangehörigen und hob insbesondere die hervorragende Jugendarbeit der Feuerwehren hervor.

Petersen nutzte seinen Jahresbericht zudem für einen ausführlichen Dank an die Feuerwehren an der Basis, die Kommunen, Politik und Verwaltung sowie die weiteren Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten funktioniere im Landkreis sehr gut.

Bei den Wahlen und Bestätigungen gab es sowohl Kontinuität als auch personelle Veränderungen. Einstimmig im Amt bestätigt wurden Kassenwartin Jessica Borkowski sowie die Beisitzer Martin Ohl für die Samtgemeinde Jesteburg, Sven Schrader für die Gemeinde Neu Wulmstorf, Dirk Behmer für die Gemeinde Rosengarten und Dennis Flügge für die Gemeinde Stelle. Neu in den Vorstand gewählt wurden einstimmig Jens-Peter Wreide als Sportreferent, Ulf Winterfeld als dessen Stellvertreter sowie Sebastian Seier als Beisitzer für die Samtgemeinde Hanstedt.

Ebenfalls einstimmig bestätigt wurden die zuvor in den jeweiligen Gremien gewählten Funktionsträger: Eike Rothe als Kreisjugendfeuerwehrwart sowie Sabrina Horstmann und Sebastian Beecken als seine Stellvertreter. Als stellvertretender Kreiskinderfeuerwehrwart wurde Thomas Ohlsen bestätigt. Die Feuerwehrmusik wird künftig von Kreisstabführer Ben Rautenberg und seinem Stellvertreter Nico Homann vertreten. Verabschiedet wurden die bisherige Kreisstabführerin Andrea Meyn und ihre Stellvertreterin Nadja Soetbeer.

Eine besondere Würdigung erfuhren drei langjährig engagierte Feuerwehrangehörige. Die Verbandsversammlung stimmte einstimmig dem Antrag des Vorstandes zu, den ehemaligen Kreisbrandmeister Volker Bellmann zum Ehrenvorsitzenden des Kreisfeuerwehrverbandes zu ernennen. Zu Ehrenmitgliedern wurden Jonny Anders und Arne Behrens ernannt. Die Entscheidungen wurden mit großem Applaus aufgenommen.

Für besondere Verdienste wurden außerdem mehrere Feuerwehrangehörige ausgezeichnet. Arne Behrens, ehemaliger Gemeindebrandmeister der Samtgemeinde Hanstedt, wurde für seine Verdienste mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold ausgezeichnet. Das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber erhielt der Tostedter Gemeindebrandmeister Sven Bauer. Mit dem Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuz in Bronze wurden die Gemeindebrandmeister Martin Ohl (Jesteburg), Bernd Block (Elbmarsch) und Dirk Behmer (Rosengarten) ausgezeichnet. Die Ehrennadel des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen in Silber erhielten der stellvertretende Gemeindebrandmeister der Gemeinde Rosengarten, Lars Otten, sowie Kreisbereitschaftsführer Stephan Schick. Die Ehrennadel in Bronze wurde an den Kreissicherheitsbeauftragten Dirk Breitenhagen verliehen.

Eine besondere Auszeichnung aus dem Bereich der Feuerwehrmusik erhielt Hartmut Zerwer, Leiter der Musikabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Nenndorf. Für 30 Jahre Engagement wurde ihm die Verdienstmedaille in Gold mit Diamanten der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände verliehen. Die Niedersächsische Feuerwehr-Ehrenmedaille ging an den ehemaligen Samtgemeindebürgermeister der Samtgemeinde Salzhausen und langjährigen Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten, Wolfgang Krause.

Ein besonderer Höhepunkt des Kreisfeuerwehrtages folgte am Sonnabendabend vor der Burg Seevetal. Insgesamt 271 Frauen und Männer, die ihre QS1-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hatten, wurden feierlich für den Dienst in den Freiwilligen Feuerwehren verpflichtet.

Kreisrätin Annerose Tiedt, die Landrat Rainer Rempe bei der Zeremonie vertrat, griff in ihrem Grußwort das Bild des Funkens auf. „Ein kleiner Funke kann große Wirkung entfalten und fatale Folgen haben“, sagte Tiedt mit Blick auf die anhaltende Trockenheit und Waldbrände der vergangenen Wochen. Gleichzeitig könne ein Funke aber auch etwas Positives entfachen – „nämlich die Begeisterung für die gute Sache, für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr“. Heute stünden 271 Frauen und Männer hier, „die Feuer und Flamme sind für unsere Wehren“. Den Feuerwehren gelinge es immer wieder, diesen Funken weiterzutragen.

Anschließend traten stellvertretend vier Anwärterinnen und Anwärter vor die Kreisfeuerwehrfahne und sprachen gemeinsam mit den übrigen Anwärterinnen und Anwärtern die Verpflichtungsformel nach. Das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Roydorf umrahmte die feierliche Zeremonie musikalisch mit dem Niedersachsenlied und beendete sie mit der Nationalhymne.

Mit der Verpflichtung der 271 neuen Feuerwehrangehörigen endete der offizielle Teil des Kreisfeuerwehrtages am Sonnabend. Am Sonntag wurde die Veranstaltung mit dem Leistungsvergleich auf dem Parkplatz der Burg Seevetal fortgesetzt. 30 Gruppen und Staffeln traten dabei um die Qualifikation für den Regionalentscheid 2027 an. Über den Leistungsvergleich und die Ergebnisse berichten wir in einem gesonderten Beitrag.