Ortsbrandmeisterdienstversammlung in Winsen – Zusammenhalt und klare Worte

Geschrieben von Datum: 08/03/2026Kategorien: Allgemein, Kreisfeuerwehr

Rund 120 Führungskräfte der Feuerwehren aus dem Landkreis Harburg kamen am Sonnabend zur Ortsbrandmeisterdienstversammlung der Kreisfeuerwehr in der Stadthalle Winsen zusammen. Kreisbrandmeister Jörn Petersen begrüßte neben den Ortsbrandmeisterinnen und Ortsbrandmeistern zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und den Partnerorganisationen der Gefahrenabwehr.

Zu den Gästen gehörten unter anderem die Landtagsabgeordneten Nadja Weippert und Jan Bauer, Landrat Rainer Rempe, Winsens Bürgermeister André Wiese sowie der ehemalige Kreisbrandmeister Volker Bellmann und der frühere Kreis- und Regierungsbrandmeister Peter Adler. Ebenfalls anwesend waren Oberstleutnant Jürgen Meinberg vom Verbindungskommando der Bundeswehr sowie Vertreter der Kreisfeuerwehren der Landkreise Heidekreis, Lüchow-Dannenberg, Rotenburg (Wümme) und Stade. Auch hochrangige Vertreter von Polizei, Technischem Hilfswerk, Deutschem Roten Kreuz und Johannitern nahmen an der Versammlung teil.

Im Mittelpunkt des Jahresberichtes von Kreisbrandmeister Petersen stand das Jahresmotto des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen für 2026: „Feuerwehr – stark durch Zusammenhalt“. Dieses Motto sei aktueller denn je. Zusammenhalt bedeute nicht nur die Kameradschaft innerhalb der Feuerwehr, sondern auch die enge Zusammenarbeit mit Politik, Verwaltung, Polizei und allen anderen Organisationen der Gefahrenabwehr.

Das erste Halbjahr 2025 habe zudem stark im Zeichen des Führungswechsels an der Spitze der Kreisfeuerwehr gestanden. Dieser Prozess habe der Organisation gutgetan und werde auch künftig Veränderungen mit sich bringen.

Besonders betonte Petersen die zentrale Rolle der Ortswehren. „Das Fundament der Feuerwehr liegt in den Ortswehren. Dort wird die wichtigste Arbeit geleistet“, erklärte der Kreisbrandmeister. Ohne das Engagement der Ortsbrandmeisterinnen und Ortsbrandmeister funktioniere das gesamte System Feuerwehr nicht. Ihnen sprach er einen besonderen Dank für ihre Arbeit und ihr Engagement im Ehrenamt aus.

Kritische Worte richtete Petersen an das Land Niedersachsen. Immer mehr Aufgaben würden in den vergangenen Jahren vom Land auf die kommunale Ebene übertragen und damit vom Hauptamt in das Ehrenamt verlagert. „Hier ist eine Grenze deutlich überschritten“, stellte der Kreisbrandmeister fest.

Zwar werde die Ausbildung im Landkreis Harburg auf einem sehr hohen Niveau durchgeführt, wofür Petersen insbesondere Kreisausbildungsleiter Andreas Kallmeier und seinem Team dankte. Gleichzeitig warnte er jedoch vor den langfristigen Folgen: Wenn immer mehr ehrenamtliche Ausbilder benötigt würden, fehle diese Zeit in den Ortswehren für die eigentliche Arbeit vor Ort. Dies könne langfristig den Grundschutz gefährden.

Auch die zunehmende Verlagerung von Ausbildungselementen in Online-Formate sieht Petersen kritisch: „Wir brauchen Führungspersonal, das mit Menschen umgehen kann – und nicht nur virtuelle Lagen am Computer abarbeitet.“

Im vergangenen Jahr wurden die Feuerwehren im Landkreis Harburg zu insgesamt 4.177 Einsätzen alarmiert. Davon entfielen 1.792 auf Brandeinsätze und 2.385 auf technische Hilfeleistungen.

Auch bei den Mitgliederzahlen gibt es eine leicht positive Entwicklung: Die Zahl der aktiven Feuerwehrangehörigen stieg um 35 auf nun 5.100 Mitglieder. Der Frauenanteil beträgt 16,8 Prozent.

Der Nachwuchs bleibt eine wichtige Säule der Feuerwehren im Landkreis:

1.531 Mitglieder engagieren sich in den Jugendfeuerwehren;  995 Kinder sind in den Kinderfeuerwehren aktiv.

Hinzu kommen 1.593 Mitglieder in der Alters- und Ehrenabteilung sowie 122 Musikerinnen und Musiker in den Musikzügen.

Auch im Bereich der Ausstattung konnten wichtige Projekte umgesetzt oder auf den Weg gebracht werden. So wurde für die Feuerwehr Hoopte ein neues Mehrzweckboot für Einsätze auf der Elbe beschafft. Es ist Teil des Konzeptes der spezialisierten Gefahrenabwehr im Landkreis.

Darüber hinaus wurden vier neue Rüstwagen bestellt sowie ein Abrollbehälter „Dekontamination“ beschafft. Zusätzlich unterstützt der Landkreis die Beschaffung von zwei Tanklöschfahrzeugen für die Waldbrandbekämpfung.

Petersen dankte der Kreisverwaltung ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit. Zwar seien noch nicht alle Probleme aus der Vergangenheit vollständig gelöst, doch habe man inzwischen eine sehr gute Arbeitsebene gefunden. Stellvertretend für die Mitarbeitenden der Abteilung 38 überreichte der Kreisbrandmeister Blumen an Tanja Herbstreit, Sabrina Koch und Evelyn Stegmann.

Sein Dank galt außerdem dem Führungsteam der Kreisfeuerwehr, Landrat Rainer Rempe und Kreisrätin Annerose Tiedt, allen Stadt- und Gemeindebrandmeistern, den Kreisfunktionären sowie den Mitarbeitenden der Leitstelle und der Feuerwehrtechnischen Zentrale. Vor allem aber dankte Petersen allen Feuerwehrangehörigen im Landkreis für die unzähligen Stunden ehrenamtlichen Dienstes zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger.

Landrat Rainer Rempe sprach den Feuerwehrangehörigen seinen tiefen Respekt für ihre Arbeit aus. Die Bürgerinnen und Bürger könnten sich jederzeit auf die Einsatzbereitschaft und Professionalität der Feuerwehren verlassen. Gleichzeitig bestätigte auch er die zunehmende Belastung durch zusätzliche Aufgaben, die vom Land übertragen werden.

Weitere wichtige Themen der kommenden Jahre sind der Neubau einer modernen Feuerwehrtechnischen Zentrale sowie die geplante neue integrierte Leitstelle für die Landkreise Harburg, Lüneburg, Heidekreis und Rotenburg (Wümme). Der Standort im Landkreis Rotenburg sei zwar aus Sicht des Landkreises Harburg nicht optimal, werde aber akzeptiert.

Auch der Leiter der Polizeiinspektion Harburg, Thomas Meyn, hob die vorbildliche Zusammenarbeit der Blaulichtorganisationen im Landkreis hervor.

Ein weiterer Schwerpunkt der Versammlung war die künftige Struktur der Feuerwehrbereitschaften. Klaus Wickboldt aus dem Niedersächsischen Innenministerium stellte zunächst die landesweiten Planungen zur Standardisierung der Bereitschaften vor.

Kreisbereitschaftsführer Stephan Schick erläuterte anschließend die konkreten Planungen für den Landkreis Harburg. Für den länderübergreifenden Einsatz bei Großschadenlagen soll künftig eine „Feuerwehrbereitschaft Niedersachsen“ nach den Vorgaben des Landes aufgestellt werden. Diese wird aus zwei Brandbekämpfungszügen, einem Vegetationsbrandbekämpfungszug und einem Fachzug Technische Hilfeleistung bestehen und durch Komponenten für Versorgung und Kommunikation ergänzt werden.

Bereits Mitte März soll diese Einheit an das Land gemeldet werden.

Zusätzlich wird für Einsätze im eigenen Landkreis und den Nachbarlandkreisen eine Kreisfeuerwehrbereitschaft gebildet. Sie wird aus einem Fachzug Brandbekämpfung, einem Fachzug Technische Hilfeleistung und einem Fachzug Wassertransport bestehen sowie durch Fachgruppen für Führung und Verpflegung ergänzt.

Ab dem Jahr 2027 sollen beide Bereitschaften vollständig einsatzbereit sein. Ergänzend bleiben weitere spezialisierte Fachzüge, etwa für Wasserrettung oder Gefahrguteinsätze, weiterhin bestehen.

Umrahmt wurde die Dienstversammlung von einer umfangreichen Ausstellung im Foyer der Stadthalle sowie auf dem Vorplatz des Gebäudes. Dort präsentierten verschiedene Hersteller moderne Feuerwehrtechnik, Einsatzfahrzeuge und Schutzkleidung. Die Führungskräfte nutzten die Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen und neue Ausrüstung zu informieren und mit den Ausstellern ins Gespräch zu kommen.